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28.08.2025

Interview mit Oberbürgermeister Martin Ansbacher

Im Rahmen des Projekts IRENE, des inklusiven Redaktionsnetzwerkes des Paritätischen Baden-Württemberg, trifft Christian Rupf Ulms Oberbürgermeister Martin Ansbacher. Das gesamte Interview gibt es hier.

F: Hallo Herr Oberbürgermeister Ansbacher was haben sie denn so für Hobbys? 

A: Guten Tag! Also wenn es die wenige freie Zeit zulässt, gehe ich sehr gerne ins Theater und nutze das kulturelle Angebot hier in Ulm. Mit meiner Familie versuche ich natürlich so viel Zeit wie nur möglich zu verbringen. Außerdem treibe ich gern Sport, insbesondere Joggen gehen am Eselsberg, auch wenn mir eben dafür die Zeit leider oft fehlt. 

 

F: Und was haben sie sich denn für ihre achtjährige Amtszeit vorgenommen, was muss aus ihrer Sicht in Ulm noch verbessert werden? Stehen in nächster Zeit große Projekte in Ulm an, müssen sich die Ulmerinnen und Ulmer auf größere Baustellen gefasst machen? 

A: Als Oberbürgermeister einer Stadt muss man sich immer erstmal die Frage stellen: Wo steht man gerade und wie soll sich die Stadt weiterentwickeln? Für Ulm, als Forschungs- und Wissenschaftsstadt, sehe ich da große Chancen für die Zukunft. Auch unsere Wirtschaft ist breit gefächert und gut aufgestellt, sodass ich mir an der Stelle keine großen Sorgen mache. 

Dennoch merkt man, dass der zur Verfügung stehende Haushalt aufgrund der großen Aufgaben immer enger wird. Teile unserer Infrastruktur sind in die Jahre gekommen und müssen dringend erneuert werden. So etwa entlang der B10: die Wallstraßenbrücke muss komplett neu gebaut werden, während die Blaubeurer-Tor-Brücke durch einen Tunnel ersetzt wird. Trotz Förderung bindet das natürlich einen großen Teil des Haushalts. Aber, wenn wir diese wichtige Verkehrsachse und ihre Brücken bis 2030 erneuert haben und freiwerdende Flächen mit der Landesgartenschau neu gestalten, werden wir Ulm ein neues, grüneres und nachhaltigeres Gesicht geben. Und man muss einfach sagen, Brücken und Verkehrswege sind kein „nice-to-have“, sondern Daseinsvorsorge für eine Stadt wie Ulm. Ein ganz wichtiges Thema ist weiterhin die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Also ja, es wird weitere Baustellen geben, aber das ist auch ein Zeichen der Weiterentwicklung unserer Stadt.

Ein weiterer Schwerpunkt der nächsten Jahre sind Schulen und Kitas. Das Schulzentrum in Wiblingen etwa muss ganz dringend saniert werden. Außerdem ist ein Neubau des Bürgerzentrums in Böfingen geplant und noch vieles mehr….

 

F: Was hat die Stadt Ulm für Menschen mit Behinderungen in Planung? 

A: Wir haben bei der Stadtgestaltung immer das Thema Barrierefreiheit immer im Hinterkopf. Es gibt bei der Stadt Ulm einen sehr engagierten kommunalen Behinderten- und Inklusionsbeauftragten, Herr Arnold, der die Stadtverwaltung tatkräftig unterstützt und sich gemeinsam mit mir für Menschen mit Behinderung und für mehr Inklusion stark einsetzt. 

Außerdem binden wir Betroffene selbst ein und nehmen sie, deren Sichtweise und Anregungen mit bei der Stadtplanung. Vor einiger Zeit hatte ich beispielsweise ein sehr aufschlussreiches Gespräch mit der einer Dame vom Blindenverband. Sie hatte darauf aufmerksam gemacht, dass in der Umgebung des Theaters für sie nicht ertastbar war, wo genau der Gehweg endet und die Straße beginnt. Die Stadt hatte sich dann gleich darum gekümmert. Auch bei der Planung des Bahnhofs haben wir uns Unterstützung geholt, um diesen für alle so zugänglich wie nur möglich zu gestalten. Zahlreiche Projekte und Initiativen helfen, das Leben für Menschen mit Behinderungen in unserer Stadt zu verbessern.   

Außerdem gab es in diesem Jahr erstmals ein inklusives Fußballturnier, das vom ESC Ulm organisiert wurde. Dies soll nun jedes Jahr stattfinden.

 

F: Wird es eine Verbesserung des Radwegnetzes in und um Ulm geben? 

A: Ja. Für den Ausbau des Radwegnetzes haben wir eine langfristige Planung, das heißt, daran wird stetig gearbeitet und es gibt jährliche Verbesserungen. Der Bedarf an mehr Angeboten für den Radverkehr ist auf jeden Fall da. Während wir in Sachen Fußverkehr in Baden-Württemberg führend sind, sind wir beim Thema Fahrrad zwar auf einem guten Weg, es gibt aber auf jeden Fall noch Verbesserungsbedarf. Unser Ziel bleibt es daher, dass 25% des gesamten Verkehrs in Zukunft auf Radverkehr entfällt. Dafür ist noch einiges zu tun, aber beispielsweise im Rahmen der Umbauten für die Landesgartenschau werden wir einiges an Verbesserungen erreichen können. 

 

F: Wie lange braucht man, um sich auf die Schwörrede vorzubereiten; wer besorgt einem die Zahlen, die in der Schwörrede vorkommen? Gibt es dafür eine Abteilung? 

A: Die Informationen und genauen Zahlen liefern die jeweiligen Abteilungen bereits einige Wochen vor dem Schwörmontag. Das alles läuft dann bei mir zusammen und ich formuliere meine ersten Gedanken und entwickle einen Entwurf. Diesen überarbeite ich dann immer wieder und verfeinere die Rede, bis ich dann mit der schlussendlichen Fassung zufrieden bin.  

Die Schwörrede ist also etwas sehr Persönliches, was auch wichtig ist. Es ist auch eine große Ehre diesen Schwur aus dem  Jahr 1345 leisten zu dürfen und wirklich ein einzigartiger Moment, wenn zu diesem Anlass die Schwörglocke ertönt. Außerdem schafft dieser Schwur eine besondere Verbindung zwischen dem Oberbürgermeister und den Bürgerinnen und Bürgern. Er schafft Vertrauen auf beiden Seiten, indem er alle zur Wahrung des innerstädtischen Friedens aufruft, zudem jede und jeder einen Beitrag zu leisten hat, wenn unsere Stadt eine erfolgreiche Zukunft haben soll.

 

F: Wie ist das mit Freundschaften, wenn sie die ganze Woche Verpflichtungen haben?

A: Ja, das ist durchaus schwierig. Freundschaften zu pflegen und mit einem vollen Terminkalender in Einklang zu bringen, erfordert gute Planung. Spontane Treffen sind leider kaum möglich. Und auch am Wochenende gehe ich sehr vielen Verpflichtungen nach, etwa auf Veranstaltungen. Präsenz zu zeigen ist mir sehr wichtig, um nah bei der Bürgerschaft zu sein. Bei solchen Gelegenheiten lässt sich Berufliches aber auch ab und zu einmal gut mit dem Privaten verbinden. 

 

F: Wie hoch ist der Sozialetat? 

A: Unser Gesamthaushalt beläuft sich aktuell auf etwa 377 Millionen Euro jährlich, 217 Millionen entfallen dabei auf Bildung und Soziales. Mit über 57% ist das der größte Anteil am Haushalt. Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll: Ulm ist eine soziale Stadt. Die Kosten steigen aber auch stetig an, was ganz einfach daran liegt, dass immer mehr Bedarf da ist. 

 

F: Haben sie schon einmal die Donau-Iller-Werkstätten in Jungingen und Böfingen besucht? Bei uns in Neu-Ulm waren sie ja schon und wir hatten ein kurzes Gespräch miteinander. Welche Eindrücke hatten sie bei dem Besuch bei uns? 

A: Nein, in den Werkstätten in Jungingen und Böfingen war ich tatsächlich noch nicht, das habe ich mir aber fest vorgenommen. Besonders, da ich bei meinem Besuch in Neu-Ulm doch sehr beeindruckt gewesen bin. Beeindruckt von dem Miteinander das dort herrscht, aber auch von den Mitarbeitenden, die dort Leben gestalten und Menschen mit ganz unterschiedlichen Einschränkungen so voller Empathie unterstützen. Ich finde es toll, dass es so etwas gibt! Einrichtungen, in denen Menschen zu Hause sind und ihnen so viel Wärme entgegengebracht wird, wo Menschen sich einsetzen für andere, das braucht Ulm als soziale Stadt. 

Dieser Besuch hat mir deutlich gezeigt, wir alle sind geeint in Vielfalt. Jeder Mensch ist einzigartig, Unterschiede gehören einfach dazu und jeder Mensch hat es verdient unterstützt zu werden. 

 

Vielen Dank und vielleicht bis zum nächsten Mal in der Stadt!