Ausgangspunkt

Warum war es nötig, eine Vereinigung zur Vertretung der Interessen von Behinderten zu gründen?

Anstaltsunterbringung war für viele behinderte Menschen bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts üblich. Nach dem Kriege waren Familien mit behinderten Angehörigen noch lange Jahre von Entsetzen und Angst geprägt angesichts der unbeschreiblich leidvollen Geschehnisse im Dritten Reich. Sie misstrauten Institutionen; viele Familien hielten ihre behinderten Kinder zu Hause mehr oder weniger versteckt.

Auf politischer Ebene war lange Jahre kein großes Interesse erkennbar, sich um die Belange von Menschen mit Behinderung zu kümmern oder gar Wiedergut-machung zu leisten. Engagierte Eltern kamen daher zu der Erkenntnis, dass sie zu Eigeninitiative greifen mussten, um das Schicksal ihrer Kinder mit Behinderung zu verbessern und sie fördern zu können. Sie schlossen sich in Marburg zusammen, um ein Netzwerk der Selbsthilfe aufzubauen, und gründeten am 23. November 1958 den Verein Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind.

Die Kunde von dieser Selbsthilfeinitiative verbreitete sich in ganz Deutschland und sorgte für Aufbruchstimmung. Auch in Ulm fielen die Impulse auf fruchtbaren Boden: Inge Aicher-Scholl, damals Leiterin der Volkshochschule in Ulm, und sieben weitere Gründungsmitglieder bildeten die Arbeitsgemeinschaft zur Gründung der Ortsstelle Ulm „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind“.
Am 7. Oktober 1960 war es dann soweit: Der Vorsitzende Werner Nonnenberg und 20 weitere Mitglieder gründeten den Ortsverein Ulm / Neu-Ulm Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind.